Die schriftlichen Klausuren sind das Rückgrat der Fachwirt-Prüfung. Sie machen den größten Teil der Bewertung aus und entscheiden in den meisten Fällen über das Bestehen der Gesamtprüfung. Diese Seite zeigt den Aufbau, die Aufgabentypen und die wichtigsten Strategien.
Struktur der schriftlichen Prüfung
Die schriftliche Prüfung besteht aus zwei großen Blöcken.
Block 1: Wirtschaftsbezogene Qualifikationen. Vier Klausuren zu je 90 bis 120 Minuten: Volkswirtschaftliches Handeln, betriebswirtschaftliches Handeln, Recht und Steuern, Unternehmensführung.
Block 2: Handlungsspezifische Qualifikationen. Zwei Klausuren zum versicherungsspezifischen Kern. Inhaltlich abgedeckt sind Privatkundengeschäft, Firmenkundengeschäft, Schaden- und Leistungsmanagement sowie regulatorische Rahmen.
In Summe sind das zwischen acht und zehn Stunden reine Schreibzeit, verteilt auf mehrere Prüfungstage.
Aufgabentypen
In den schriftlichen Klausuren erwarten dich vier Haupttypen von Aufgaben.
Sachverhalt beurteilen. Ein Fall wird geschildert, und du musst rechtlich, kaufmännisch oder fachlich beurteilen, was zu tun ist. Beispiel: Ein Kunde fordert die Regulierung eines Schadens nach einem Wasserrohrbruch. Wie ist die Deckungslage, welche Fristen gelten, wie verhandelst du?
Entscheidungen begründen. Du wirst vor eine Wahl gestellt und sollst deine Entscheidung mit Argumenten untermauern. Beispiel: Welche Rechtsform ist für einen mittelständischen Betrieb als Versicherungsnehmer vorteilhafter?
Rechnen und berechnen. Rechnungswesen, Kosten- und Leistungsrechnung, Prämienkalkulationen, Schadenquoten. Klare rechnerische Aufgaben mit eindeutigem Lösungsweg.
Strukturieren und darstellen. Du musst einen Sachverhalt in eine klare Struktur bringen – etwa ein Beratungsprotokoll entwerfen, einen Marketingplan skizzieren oder eine Arbeitsanweisung formulieren.
Erlaubte Hilfsmittel
Erlaubt sind in der Regel unkommentierte Gesetzestexte (BGB, HGB, VVG, VAG, Steuergesetze) und ein nicht programmierbarer Taschenrechner. Die konkrete Liste veröffentlicht die zuständige IHK rechtzeitig vor dem Termin.
Notizen, eigene Zusammenfassungen oder markierte Gesetzessammlungen sind nicht erlaubt. Auch Smartwatches und Handys müssen vor der Prüfung abgegeben werden.
Zeitmanagement in der Klausur
Die häufigste Ursache für knappes Scheitern ist schlechtes Zeitmanagement. Drei Regeln helfen.
Regel eins: Zeit pro Punkt. Rechne die Gesamtzeit durch die maximale Punktzahl und weise jeder Aufgabe ihre anteilige Zeit zu. Eine Aufgabe mit 20 Punkten in einer 100-Punkte-Klausur von 120 Minuten bekommt genau 24 Minuten.
Regel zwei: Erst lesen, dann schreiben. Lies die komplette Klausur in den ersten fünf Minuten. Markiere Aufgaben, die du sicher kannst, und Aufgaben, die Zeit brauchen. Dann beginnst du mit dem sicheren Teil.
Regel drei: Keine Aufgabe auslassen. Auch wenn eine Aufgabe schwer fällt – schreibe wenigstens einen Ansatz hin. Null Punkte sind der schlechteste mögliche Wert.
Typische Fallstricke
Oberflächliches Lesen. Wer die Aufgabenstellung überfliegt, liefert oft eine saubere Antwort zur falschen Frage.
Fehlende Struktur. Antworten, die als Text ohne Gliederung heruntergeschrieben werden, verlieren Punkte. Nummerierte Listen, Zwischenüberschriften und klare Absätze helfen dem Korrektor – und dir.
Gesetzestexte nicht zitieren. Wer sich auf VVG oder VAG bezieht, sollte die Norm auch nennen: „§ 28 VVG" statt „das sagt das VVG".
Zu ausschweifend. Mehr schreiben bringt nicht automatisch mehr Punkte. Präzision schlägt Länge.
Rechenwege nicht zeigen. Bei Rechenaufgaben gibt es Teilpunkte für den Weg. Nur das Ergebnis hinzuschreiben ist riskant.
Vorbereitung in den letzten vier Wochen
Die letzten vier Wochen vor der Klausur sind die intensivste Phase.
Woche minus vier: Komplette Durchsicht aller Themen mit Zusammenfassung auf je einer Seite.
Woche minus drei: Altklausuren unter realistischen Bedingungen schreiben. Ergebnisse analysieren.
Woche minus zwei: Lücken gezielt schließen. Themen, in denen du unter 60 Prozent liegst, bekommen Priorität.
Woche minus eins: Wiederholung der wichtigsten Strukturen. Kein neuer Stoff. Genug Schlaf, moderate Bewegung, wenig Stress.
Häufige Fragen
Je nach Thema drei bis sechs Aufgaben mit Unteraufgaben.
Ja, sehr. Die Aufgabentypen wiederholen sich, auch wenn sich Sachverhalte ändern.
Zeitmanagement und ungenaues Lesen.
Ja, aber es kostet viel Zeit. Meist ist es besser, gleich sauber zu schreiben und Korrekturen durchzustreichen.
Nächster Schritt
Wie das Fachgespräch und die mündlichen Prüfungsteile ablaufen, erfährst du auf der Seite Mündliche Prüfung Versicherungsfachwirt.